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DAV kritisiert Pläne zu riesigem Gletscherskigebiet in Tirol

19. Juli 2017 | Deutscher Alpenverein

Skigebiete in diesem Artikel: Pitztaler Gletscher, Sölden

Pläne zum Zusammenschluss von Pitztaler Gletscher und Sölden

Pläne zum Zusammenschluss von Pitztaler Gletscher und Sölden

Die Betreiber der beiden Skigebiete „Pitztaler Gletscher“ und „ Sölden – Rettenbachferner“ planen den Zusammenschluss zum größten Gletscherskigebiet Österreichs. Der Deutsche Alpenverein lehnt diese Pläne, die auf die Neuerschließung großer bislang unberührter Gletscherflächen hinauslaufen, ab: „Dieses Projekt setzt nicht die richtigen Impulse“, sagte DAV-Vizepräsident Rudi Erlacher bei einer Präsidiumssitzung am 7. Juli in München. „Es schwächt den Alpentourismus, es widerspricht unseren Grundsätze n von Naturschutz und Raumplanung und es missachtet internationales Recht.“ Am 13. und 14. Juli veranstaltete der DAV einen Pressetermin an den beiden Gletscherskigebieten, um die Details und Hintergründe zu den Erschließungsplänen zu erläutern.

Kein weiterer Ausbau von Skigebieten

Die Alpen werden für den Skitourismus bereits intensiv genutzt. Das Netz der Skigebiete ist insbesondere in den Ostalpen und vor allem in Tirol dicht gewoben. Angesichts des Klimawandels und der rückläufigen Zahl der Skifahrinnen und Skifahrer wäre laut Alpenverein eine weitere Verdichtung kontraproduktiv: Zum einen fehlten die eingesetzten Gelder dann für Investitionen in den überfälligen Umbau des Tourismus. Und zum anderen zerstörten Neuerschließungen genau diese unberührte Natur, die für einen zukunftsorientierten nachhaltigen Tourismus Voraussetzung seien.

„Der Skitourismus im Rahmen der bestehenden Gebiete ist ein wichtiger Bestandteil des Tourismus angebots im Alpenraum“, sagte DAV-Experte Dr. Tobias Hipp beim Pressetermin in den Ötztaler Alpen. „Aber jetzt ist es an der Zeit, den Fokus auf die Stärkung anderer Bestandteile zu richten.“

Zusammenschluss oder Neuerschließung?

Laut Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramm fallen die Pläne unter die Kategorie „Zusammenschluss“, sind aber in Wirklichkeit die größte Neuerschließung von bisher naturbelassener alpiner Landschaft der letzten Jahrzehnte. Ungeachtet dessen hat die Tiroler Landesregierung den beiden Skigebietsbetreibern bereits 2013 einen Zusammenschluss in Aussicht gestellt: Im Raumplanungsprotokoll von Tirol wurde das „Ruhegebiet Ötztaler Alpen“ entsprechend verkleinert. Ursprünglich vorgesehen war allerdings nur die Überspannung des Gebiets ohne die Anlage von Pistenflächen – das ist in den aktuellen Plänen anders.

Roter dünner Strich = bestehende Lifte; oranger Strich = geplante Lifte; schwarzer Strich = geplanter Skitunnel; rote und blaue Fläche = geplante Pisten - ©DAV

Roter dünner Strich = bestehende Lifte; oranger Strich = geplante Lifte; schwarzer Strich = geplanter Skitunnel; rote und blaue Fläche = geplante Pisten

Copyright: DAV

Die Pläne im Detail

Zwischen dem Gletscherskigebiet von Sölden (Rettenbachferner und Tiefenbachgletscher) und dem Gletscherskigebiet Pitztaler Gletscher liegen die beiden bislang unerschlossenen Gletscher Karlesferner und Mittelbergferner. Zusammen kommen diese beiden Gletscher auf mehr als 1.000 Hektar Eisfläche. Die aktuellen Pläne sehen folgende Maßnahmen vor.

- Dreiseil-Umlaufbahn mit Talstation in Mittelberg und Bergstation in der Nähe der Braunschweiger Hütte. Diese Bergstation ist gleichzeitig Talstation für die beiden weiteren Gondelbahnen, im Folgenden als Skizentrum bezeichnet
- Achter-Gondelbahn vom Skizentrum zur Scharte östl. des Linken Fernerkogels (3.277 m) und weiter in das Skigebiet von Sölden
- Achter-Gondelbahn vom Skizentrum nach Westen in das bestehende Skigebiet Pitztaler
Gletscher
- Geplante Pistenfläche ca. 64 ha (entspricht einer Fläche von 90 Fußballfeldern), davon 95 % auf Gletscherflächen
- Skitunnel östlich der Braunschweiger Hütte, um eine skitaugliche Verbindung mit Sölden herstellen zu können
- Zufahrtsstraße durch den Skitunnel vorbei an der Braunschweiger Hütte bis zum „Skizentrum“
- Speicherbecken und Beschneiungsanlage
- Kosten: rund 120 Mio. €

Die Skigebietsbetreiber haben die Pläne Ende Juni 2016 beim Amt der Tiroler Landesregierung eingereicht. Der Start des Verfahrens (Umweltverträglichkeitsprüfung) steht unmittelbar bevor.

Widerspruch zu Grundsätzen des Deutschen Alpenvereins…

Die Auswirkungen der Erschließungen wären gravierend und stehen im Kontrast zu den Grundsätzen und Leitlinien der alpinen Vereine in den Bereichen Naturschutz, Raumplanung und Bergsport:

- Abwertung eines (hoch-)alpinen Landschaftsbildes
Mit dem Bau der Gondelbahnen bis auf den Linken Fernerkogel und dem überdimensionalen Skizentrum wird das alpine Landschaftsbild deutlich abgewertet.

- Abwertung eines bedeutenden alpinen Tourengebiets
Für Bergsteigerinnen und Bergsteiger wird das Gebiet rund um den Linken Fernerkogel uninteressant. Die Braunschweiger Hütte liegt übrigens am E5 von Oberstdorf nach Meran und damit am derzeit beliebtesten Fernwanderweg in den gesamten Ostalpen.

- Verlust eines bedeutenden Ausbildungsstützpunktes des DAV
Die Braunschweiger Hütte ist ein wichtiger DAV-Ausbildungsstützpunkt. Jedes Jahr finden dort viele Kurse statt, in denen Bergsteigerinnen und Bergsteiger die wichtigsten Grundlagen für Hochtouren vermittelt werden.

...und Missachtung internationalen Rechts
Noch gravierender allerdings ist, dass die Pläne internationalem Völkerrecht entgegenstehen. Österreich hat sich verpflichtet, den Alpenraum unter der Beachtung der Protokolle der Alpenkonvention nachhaltig und ressourcenschonend zu entwickeln. In Artikel
10 §1 des Tourismusprotokolls steht: „So sind […] Belastungen und Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu verringern.“ Im selben Protokoll im Artikel 6 verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten, „[…] nur landschafts- und umweltschonende Projekte zu fördern und […] eine Politik einzuleiten, die die Wettbewerbsfähigkeit umweltschonender Tourismusformen fördert […].“

Quelle: Deutscher Alpenverein

 

Weitere Informationen:

Tirol Heute vom 05.08.2016


Tirol Heute vom 06.08.2016


Artikel auf tirol.orf.at

http://tirol.orf.at/news/stories/2782916/

 

 

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