Juliane Matthey fasst die Vor- und Nachteile der "Großen Vier", der Top-Skidestinationen in Europa, zusammen: Österreich, Schweiz, Italien und Frankreich.

Österreich

Österreichs Skiregion Nummer Eins ist Tirol mit seinen insgesamt 3.500 km Abfahrten und seinen weltbekannten Skiorten wie Sölden, Ischgl und St. Anton. Das Salzburgerland landet mit 1.700 km auf Platz zwei. Saalbach-Hinterglemm und Obertauern sind dort die beliebtesten Skigebiete. Platz drei teilen sich Vorarlberg (mit Lech am Arlberg als beliebtestem Ort) und Kärnten mit 1.031 Pistenkilometern.

Die meisten Skiorte in Österreich verfügen über hochmoderne Liftanlagen und die Pisten sind meist in exzellentem Zustand. Österreich ist aber auch bekannt für seine Möglichkeiten in punkto Tourengehen und Freeriden, speziell in den hochgelegenen Gebieten wie etwa am Arlberg, in Silvretta-Montafon, Zell am See und am Großglockner (Kärnten), Österreichs höchstem Berg.

Die Zeiten, in denen Österreich berühmt war für Wintersport für den kleinen Geldbeutel, sind vorbei. Man findet keinen Eintages-Skipass mehr für unter 25 Euro; die Preise können - abhängig von der Größe und Lage des Skigebiets - bis zu 44 Euro erreichen. Die Liftbetreiber sind dennoch recht familienfreundlich: In der Regel ist die Nutzung für Kinder unter sechs Jahren umsonst, manchmal sogar für Kinder unter zehn. Außerdem ist Österreich, abgesehen von den hohen Liftpreisen, was Essen und Trinken betrifft, recht günstig.

Après-Ski soll ursprünglich eine österreichische Tradition sein. In manchen Gebieten fängt die Party allerdings nicht erst nach (après) dem Skifahren an, sondern schon währenddessen. Sein Bier oder seinen Jagatee kann man in den gemütlichen Hütten direkt auf der Piste oder auch in Bars und Diskotheken im Ort genießen. St. Anton, Ischgl, Sölden und Saalbach-Hinterglemm sind berühmte Après-Ski-Hochburgen. Hier fließt der Alkohol (inzwischen zuweilen sogar Champagner) in Strömen fließt, Schlagermusik dröhnt und Flirten geradezu Pflicht ist. Dem gegenüber stehen Österreichs Gemütlichkeit und seine tradtionelle Küche in den Hütten und Gasthäusern. Viele werden von einheimischen Familien betrieben, die sich perfekt auf ihre Speckknödel, Schlutzkrapfen oder Kaiserschmarrn verstehen. Ein anschließender Obstler ist wärmstens zu empfehlen.

Von Mitteleuropa aus lassen sich Tirol, Vorarlberg und Salzburg innerhalb eines Tages mit dem Auto oder mit dem Hochgeschwindigkeitszug (z.B. Eurocity oder Intercity nach Innsbruck) erreichen. Per Flugzeug ist Innsbruck ein passendes Ziel, um weiter nach Tirol zu gelangen: Von dort kann man alle Gebiete in zwei Stunden erreichen.

Petra Stolba von Österreich Werbung sagt: „In Österreich sind die Berge freundlich, weil auf ihnen Hütten stehen, die dem mit Skiern oder Schneeschuhe ausgerüsteten Reisenden Einkehr bieten. Da ist die Herzlichkeit der Hüttenwirtsleute und die fröhliche Stimmung an einem Skitag in Österreich. Auf Qualität und Infrastruktur unserer Seilbahnen und Lifte können wir stolz sein, und dass es sich hier auch gut übernachten lässt, wissen wir aus dem internationalen Vergleich."

 

Schweiz

Die Schweiz ist stolz auf ihre Traditionen, ihre Kultur und ihre unverwechselbare Natur. Mit vier verschiedenen Mentalitäten und Sprachen in einem Land ist die Schweiz auch das vielfältigste unter den Wintersportländern der Alpen. Die meisten Schweizer Skiorte findet man in den Kantonen Wallis, Graubünden, Zentralschweiz, Berner Oberland und in der Ostschweiz.

Das Wallis beheimatet die höchsten Berge (47 von ihnen sind über 4.000 m hoch) und die längsten Abfahrten (bis zu 17 km in Zermatt). Im Berner Oberland sind die gemütlichsten Hütten und größten Gebiete für Winter- und Schneeschuh-Wanderungen zu finden. Die Region um den Genfer See ist berühmt für ihre Naturreservate, aber auch für Europas größten Skigebietsverbund, die Portes du Soleil, die aus zwölf Skigebieten in der Schweiz und in Frankreich bestehen. In der Jungfrau-Region gibt es Pulverschnee-Pisten auf bis zu 3.000 m Höhe. Der Kanton Luzern eignet sich perfekt zum Freeriden. Die Region Freiburg bietet zwar weniger spektakuläre Abfahrten, schont aber den Geldbeutel. 

Unter den 30 bekanntesten Skiorten bietet Gstaad die günstigsten Eintages-Skipässe (42 CHF, bzw. 29 Euro) an, während St. Moritz Engadin nicht nur das exklusivste, sonnigste und größte, sondern auch das teuerste Skigebiet der Schweiz (71 CHF oder 48 Euro) ist. Es gibt ein paar kleinere und weniger überfüllte Skigebiete wie Andermatt oder Bruson, wo Familien mit vier Personen für unter 120 CHF (80 Euro) einen Tag Skifahren und Essen gehen können. Die familienfreundlichsten Gebiete tragen den Titel „Familien willkommen".

Eines sollte man in der Schweiz niemals vergessen: den Käse zu probieren. Ein Skiurlaub in der Schweiz ist kein richtiger Skiurlaub, wenn man nicht mindestens einmal Käsefondue hatte.

Die am besten geeigneten Flughäfen für Skisportler sind Zürich, Bern, Genf und Basel. Gleichzeitig zählt das Schweizer Schienennetz zu einem der besten und umfangreichsten weltweit. Internationale Züge aus zwölf Ländern steuern täglich das Alpenland an.

 

Italien

Die meisten deutsch sprechenden Skifahrer gehen zum Skifahren in Italien nach Südtirol. Einst zu Österreich gehörig, ist die Region heute bekannt für ihre idyllischen Skigebiete und gemütlichen Dörfer. Die Pisten sind exzellent präpariert, viele von ihnen sind breit und nicht zu steil, was zum entspannten Carven Richtung Tal einlädt. Wer doch lieber einen Zahn zulegen möchte, dem seien die Abfahrten Trametsch (Brixen), Ahrndt, Herrnegg (Kronplatz) oder Rotwandwiesen (Sexten) empfohlen. Neben seinen Bergen hat Südtirol auch kulinarische Spezialitäten (Schinken und Vinschgauer Brötchen sind berühmt) und exquisite Weine zu bieten. Auf einem der Bauernhöfe nahe der Skigebiete zu übernachten ist eine preisgünstige Alternative zum Hotel und gerade für Kinder ein Erlebnis.

Die Dolomiten (größtenteil in Südtirol, Trentino und Venetien gelegen)werden von vielen als die schönsten Berge der Welt bezeichnet. Da überrascht es nicht, dass sie Teil des Unesco Weltkulturerbes sind. Das „Dolomiti Superski"-Gebiet erstreckt sich über 1.200 km Pisten (viele von ihnen sind eher anspruchsvoll, vor allem in Trentino), was es zum größten der Welt macht. Venetien ist Italiens beliebteste Urlaubsregion, mit Cortina d'Ampezzo als meistbesuchtem Skiort. Die Dolomiten reichen bis ins nordöstliche Italien, zur Region Friaul-Julisch Venetien, die an Slowenien grenzt. Die Region beheimatet reizvolle, weniger bekannte Orte wie Piancavollo oder Valcellina - ideal für Skifahrer, die mehr Wert auf Tradition als auf Glamour legen.

Piedmont indes ist Italiens zweitgrößte Skiregion und ist trotz seiner 2.000 Pistenkilometer nicht überlaufen. Wer gerne Heliskiing oder Skitouren macht, sollte ins Aosta-Tal fahren. Dort, wo die Gipfel über 4.000 m hoch sind, finden sich acht Heliskiing-Stationen und hunderte von Bergführern.

Was die Preise für Skipässe betrifft, so ist Italien etwas günstiger als die anderen große Wintersport-Regionen in Europa. Außerhalb der Saison kann man sogar den Dolomiti-Superski-Pass für 36 Euro kaufen.

 

 

Frankreich

Ein Skiurlaub in Frankreich bedeutet in der Regel zwei Dinge: Skifahren in großer Höhe und imposante Skiorte. Die meisten, wie zum Beispiel La Plagne, wurden in den 1950er und 1960er Jahren auf dem Reißbrett entworfen und entstanden an Orten, an denen es bis dato nur Almen gab. Dadurch liegen die Skiorte höher als in allen anderen europäischen Ländern (wie Val Thorens auf 2300 m ü.M. oder Tignes auf 2100 m ü.M.), was exzellente Schneebedingungen für sechs Monate im Jahr bedeutet.

Unter den vielen großen französischen Skiorten sind Trois Vallées und Portes du Soleil die größten. In Portes du Soleil gibt es insgesamt 650 km Abfahrten, die auf 12 einzelne Skiorte in Frankreich und der Schweiz aufgeteilt sind. Trois Vallées ist mit insgesamt 600 km das Skigebiet mit den weltweit meisten Pistenkilometern. Für diejenigen, die gerne abseits der Piste fahren, sind Tignes, Les Deux Alpes und Val d'Iserè eine gute Wahl.

Die meisten Skiorte, darunter Chamonix als mit Abstand größter und beliebtester, bieten ausgezeichnete Restaurants (hauptsächlich auf höherem Preisniveau, dafür aber teilweise sogar mit Michelin-Stern ausgezeichnet) sowie Pubs, Konzerte, Diskotheken, Spas, Fitnesscenter und die Möglichkeit zu ausgedehnten Shoppingtouren. Doch es gibt Ausnahmen: Châtel und Les Gets in der Haute-Savoie sind zwei Beispiele für kleinere Gebiete, die ihren traditionellen Charme mit alpiner Architektur, familiengeführten Gasthäusern und typischer regionaler Küche behalten haben.

Der französische Tourismusverband zeichnet familienfreundliche Skigebiete mit dem Label „Famille Plus" aus. Wer nach moderaten Preisen für Familien, Ganztagsbetreuung und Unterhaltungsprogramm für Kinder sucht, dem sei geraten, Ausschau nach den „Famille Plus"-Orten wie Châtel, Les Gets, Les Deux Alpes oder Val Thorens zu halten.

Die Skilift-Preise sind vergleichbar mit denen in der Schweiz oder in Österreich. Sie belaufen sich auf zwischen 22 und 48 Euro pro Tag. Die Flughäfen von Genf, Lyon, Nizza und Mailand schaffen eine internationale Anbindung an die französischen Alpen. Busse und Shuttle-Service sorgen für eine gute Anbindung vom entsprechenden Flughafen.

Das französische Tourismusbüro schreibt: „Die französische Bergwelt ist ein Paradies für jeden Skifahrer. Frankreich verfügt mit 8000 km Pisten über das größte Skigebiet der Welt. Es gibt sowohl kleinere, dörfliche Stationen mit familiären Ambiente die auch die höhergelegenen Skigebiete, die direktes Skivergnügen vor der Haustür anbieten. Die französischen Skiregionen bieten für jeden etwas, ob Ski oder nordisch, ob Snowboard oder Telemark, aber auch eine große Palette an Aktivitäten ohne Ski wie Schneeschuhwanderungen oder Hundeschlittenfahrten."