Die Zeit der Klassiker, sie steigt ab Mitte Januar. Spätestens wenn am Chuenisbärgli in Adelboden ausgeflaggt wird, stehen die härtesten Prüfungen für Skifahrer an. Wie es ausging, seht ihr in unserem bildreichen Nachbericht.

Das gab es noch nie

Geschichte schreiben, das ist ein großer Ausdruck. Und doch ist es am Wochenende in Adelboden passiert. Bei einem Riesenslalom, der nachgewiesen kein leichter ist, im Gegenteil. Erstmals in der Ski-Geschichte standen zwei Deutsche in dieser Disziplin gemeinsam auf dem Treppchen. Felix Neureuther in seiner unbestritten besten Riesenslalom-Saison wurde Dritter, Fritz Dopfer Zweiter, nur geschlagen von Ted Ligety. "Ein Wahnsinnstag", rang Neureuther, der derzeit so gut fährt wie vielleicht nie zuvor, mit Worten.

Strahlende Gesichter also, zumal Neureuther und Dopfer mit den Plätzen fünf und acht im Slalom nachzulegen vermochten, wodurch sich der glückliche Felix in der Slalomwertung am Schweden Andre Myhrer vorbei auf Platz zwei der Wertung vorschob. Die Bilanz der Saison: Rang vier der Gesamtwertung (!) für den Partenkirchner, viermal Podium, neunmal Top Ten, ein Sieg – glänzend! Der Neureuther dieser Tage darf diesmal mit Fug und Recht als heißer WM-Medaillenkandidat gelten. Und Fritz Dopfer? Im Riesenslalom war er in Adelboden wieder auf Vorjahresniveau und kommt immer mehr in Tritt - und auch im Slalom klappte es wieder besser. "Mir fehlen echt die Worte", waren seine erste Reaktion auf den Riesen-Triumph.

Ligety und Hirscher siegen

Sieger war in Adelboden aber Ted Ligety - und das deutlich. 1,15 Sekunden nahm der US-Überflieger bei seinem vierten Riesenslalom-Saisonerfolg Dopfer ab und hätte trotzdem eigentlich dem wohl schnelleren Marcel Hirscher den Vortritt lassen müssen, hätte dieser nicht auf dem Zielhang den Sieg mit einem Fahrfehler weggeschenkt. Rang 16 somit nur für Hirscher, der sich beim Slalom prompt revanchierte und nach fehlerhaftem ersten Lauf im Finale eine so riskante Linie im Stangenwald fand, dass er sogar noch auf Platz eins vorpreschte. Für die Weltcup-Wertungen heißt das: Hirscher führt im Slalom klar mit 134 Zählern vor Neureuther, Ligety im Riesenslalom mit 125 Punkten ebenso deutlich vor Hirscher. Fritz Dopfer folgt hier auf Rang vier hinter Manfred Mölgg. Und in der Gesamtwertung hat Hirscher den aktuell besten Speedfahrer Svindal (der als Sechster im Riesenslalom keineswegs enttäuschte) um 126 Punkte abgehängt, hier folgen Ligety und eben Neureuther auf den Plätzen drei und vier.

Slalom: Matt erneut stark

Platz zwei für den Adler vom Arlberg - damit hat Mario Matt sicher sein WM-Ticket im Slalom gelöst. Hinter dem im Finale überragenden Hirscher freute sich der Routinier über sein 'Super-Rennen' und glaubte weiter daran, dass er den Teamkollegen vielleicht auch einmal abhängen kann. "Niemand ist unschlagbar...", so Matt. Auch Manfred Pranger auf Rang sieben empfahl sich für die WM, während andere Anwärter wie Benni Raich, Reinfried Herbst oder Wolfgang Hörl ausschieden. Punkte sammelte stattdessen Jungspund Manual Feller auf Rang 16. Das Riesenslalom-Ergebnis fiel nach dem Rückfall Hirschers aus österreichischer Sicht enttäuschend aus: Philipp Schörghofer als Siebter und Raich als Achter waren die Besten des ÖSV.

Gino Caviezel rettet Schweizer Ehre

Ein Wunder zum Heimspiel, davon hatten alle Schweizer Fans in Adelboden geträumt. So wie 2008, als Marc Berthod mit einem Traumfinale vor Dani Albrecht gewann. Doch nach vielen katastrophalen Ergebnissen blieb das Wunder aus. Als positive Überraschung darf der elfte Platz für Talent Gino Caviezel gewertet werden, der damit eventuell sogar noch auf den WM-Zug aufspringen kann, wenn die Trainer ihm diese Chance geben wollen. Marc Berthod wurde an alter Erfolgsstätte immerhin 21. Auch im Slalom musste ein junger Fahrer die Kohlen herausreißen: Ramon Zenhäusern ist wie Caviezel vom Jahrgang 1992 und war als 22. bester Schweizer.   

Die Eidgenossen dürfen nun in Wengen auf den Durchbruch der eigenen Stars hoffen. Am Lauberhorn wurde das erste Abfahrtstraining auf Dienstag vorverlegt, um erwarteten Schneefällen am Mittwoch und Donnerstag vorzukommen. Auch kalt soll es werden: Bis minus 20 Grad sind angesagt. Das sollte für eine harte Unterlage ausreichen ...