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Der richtige Skihelm: Darauf müsst ihr beim Kauf achten

2. Januar 2019 | Frieda Knorke

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Der Skihelm ist der Ausrüstungsgegenstand für Skifahrer, der im letzten Jahrzehnt wohl am häufigsten verkauft wurde. Über 85 % aller erwachsenen Skifahrer und mehr als 95 % aller Kinder sind in den Skigebieten mit Kopfschutz unterwegs - und das ist auch gut so. Aber welcher Skihelm ist der Richtige? Wann passt ein Helm? Und wie findet man das raus? 


Warum einen Skihelm?

 

Abgesehen von dem Sicherheitsfaktor spricht inzwischen auch ein rechtlicher Aspekt für das Tragen eines Skihelms: Im Jahr 2012 klagte ein Pistenfahrer Schadensersatz von einem weiteren Skifahrer ein, weil dieser in Folge eines Sturzes mit ihm zusammengeprallt war und er – der Kläger – Verletzungen an Wirbelsäule und Kopf davontrug. Das Oberlandesgericht in München entschied daraufhin, dass der Kläger zu 30% Mitschuld an den Verletzungen habe, da das Tragen eines Helmes die Kopfverletzungen vermeiden hätte können. Das Unfallopfer hätte einen Helm tragen müssen, um sich selbst zu schützen, so das Fazit der Richter. Zwar resultiert daraus keine generelle Helmpflicht auf unseren Pisten, richtungsweisend ist dieses Urteil jedoch trotzdem. Denn wer möchte schon mit Kosten belastet werden, wenn er sich beim Skifahren verletzt?


Den passenden Skihelm finden


Um den passenden Skihelm zu finden, sollte zunächst der individuelle Kopfumgang bekannt sein. Dieser wird etwa einen Zentimeter oberhalb der Augenbraue gemessen und ist normalerweise auf jedem Helm hinten aufgedruckt.

Die folgende Tabelle liefert einen groben Überblick:

 

Größe

XXXS

XXS

XS

S

M

L

XL

XXL

Kopfumfang in Zentimeter

49-50

51-52

53-54

55-56

57-58

59-60

61-62

63-64


Die richtige Passform


Die richtige Passform eines Helmes ist das A und O – nicht nur für die Sicherheit, sondern auch für den Komfort. Der Helm sollte auch ohne Kinnriemen bereits gut sitzen. Das heißt, dass er auch bei leichten Kopfbewegungen (Nicken, Schütteln) nicht rutscht. Am besten beginnt man bei der Anprobe mit großen Helmen und wählt immer kleinere aus. Sobald der Kopfschutz beim Bewegen nicht nur auf den Haaren umherrutscht, sondern die Kopfhaut mitzieht und die Position nicht verändert, befindet man sich in der richtigen Größenordnung. Kleiner sollte er natürlich auch nicht sein, damit keine Druckstellen und auf Dauer Schmerzen entstehen.

Hat man einen Helm in die engere Auswahl genommen, sollte man ihn für einige Minuten in Ruhe tragen und auf Druckstellen achten. Schmerzt es irgendwo, sollte ein anderer Helm ausprobiert werden.


Kinnband

 

Das Kinnband eines Skihelms ist im Idealfall durchgehend gepolstert – also auch am Verschluss! Um den Riemen optimal einzustellen, werden die Polster entfernt, der Verschluss geschlossen und die Gurtenden angezogen. Der Kinnriemen sollte dann fest sitzen, jedoch weder die Atmung, das Schlucken oder bestimmte Bewegungen beeinträchtigen. Ist alles richtig eingestellt, werden die Polster wieder montiert.

Ein wichtiger Faktor für den optimalen Komfort ist zudem der Verschluss an sich. Um sicherzustellen, dass der Helm auch im Gelände gut einsetzbar ist, sollte man ein paar Mal versuchen, ihn mit angezogenen Handschuhen zu schließen. Ist der Verschluss bereits im Laden zu knifflig, wird er bei Minusgraden, starkem Wind oder kalten Fingern nicht besser funktionieren.

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Brillenkompatibilität

 

Wer sich einen neuen Skihelm zulegen möchte, sollte nicht nur an den Kopf- sondern auch an den Augenschutz denken. Die Skibrille muss nämlich mit dem Helm kompatibel sein – und das natürlich nicht nur farblich, sondern vor allem in Bezug auf die Passform. Der Rahmen der Brille muss in die Aussparung des Helmes passen, das heißt zwischen Helm und Brille sollte nur ein geringer Schlitz sein, um möglichst optimal vor Kälte und Wind geschützt zu sein. Außerdem muss die Breite der Gurtbandhalterung am Helm zu der der Brillenbänder passen.


Bauweise

 

Ein Helm besteht grundsätzlich aus zwei Schichten – der stabilen Außenschale und der stoßabsorbierenden Innenhülle.

InMoulding

Bei diesem Verfahren werden Außen- und Innenschale miteinander fest verbunden. Das passiert entweder durch Einspritzen oder Einschweißen des EPS-Schaums (Expandiertes Polystrol). Es entsteht ein sehr leichter Helm, der jedoch keinen Platz für ein ausgewogenes Belüftungssystem bietet. Inmould-Konstruktionen sind aber häufig günstiger.

Hardshell

Hardshell-Helme besitzen eine Außenschale aus Carbon (teilweise mit Kevlar verstärkt) oder ABS (Acrylnitril-Blutadien-Stytrol).  Die Innenschale ist wiederum aus EPS-Schaum. Durch die zwei verschiedenen, nicht miteinander verbundenen Schalen bietet sich in ihrem Zwischenraum Platz, um ein wirkungsvolles Belüftungssystem zu integrieren. Allerdings wiegen Hardshell-Helme meist mehr.

Hybrid

Einige Hersteller entwickeln inzwischen Helme, die die Vorteile der jeweiligen Bauweise nutzen. Dabei kommen die Vorzüge von InMould-Konstruktionen im Bereich des Hinterkopfes zum Einsatz (Gewicht, Langlebigkeit), während im oberen Helmteil durch Hardshell-Bauweise die Belüftung integriert wird.

Lady-Helme

Bei Helmen, die speziell für Damen entwickelt wurden, gibt es bei der Bauweise an sich keinen Unterschied. Hier spielen eher das Design oder Aussparungen für einen Pferdeschwanz eine Rolle.

 

Was sind MIPS und SPIN?


In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Technologien im Helmbau vorgestellt, die sich im Markt verbreiten. Die MIPS-Technologie steht für Multi-Directional Impact Protection System. Sie soll den Kopf vor allem bei Aufprallen schützen, die schräg erfolgen, was ja bei sehr vielen Stürzen der Fall ist. Die Außenschale des Helms verschiebt sich dabei leicht und die Rotationskräfte, die auf den Kopf wirken, sollen um bis zu 50% verringert werden.

MIPS wird mittlerweile von verschiedenen Helmherstellern verwendet, unter anderem von SCOTT. Ein ähnliches System ist SPIN von POC, hier wird mit Silikonpads gearbeitet, die im Helm verbaut werden und für eine verbesserte Aufprallkraftabsorbierung sorgen sollen.


Worauf ist noch zu achten?

 

Wie oben bereits erwähnt, sollte die Polsterung nicht nur am Kopf selbst vorhanden sein, sondern auch am Kinnriemen und speziell am Verschluss. Zudem sollten sie möglichst vollständig herausnehmbar sein, um sie regelmäßig waschen zu können.

Die Belüftungsschlitze sollten individuell einstellbar und komplett verschließbar sein, damit man gerade bei tiefen Temperaturen oder starkem Wind reagieren kann.


Helm nach Sturz austauschen?

 

Häufig wird geraten, dass ein Helm grundsätzlich nach einem heftigen Sturz ausgetauscht werden sollte. Uvex relativiert jedoch diese Meinung und macht es von der Bauweise abhängig:

Inmould-Bauweise:

Bei dieser Bauweise werden kleine Styropor-Kügelchen gepresst und mit der Außenschale fest verbunden. Bei einem Aufschlag fängt das Styropor zwar zuverlässig die Energie ab, verformt sich aber dauerhaft an dieser Stelle. Die Inmould Technologie zielt also darauf ab, dass sich der Helm deformiert – er muss also nach einem Sturz sofort ausgetauscht werden.

Hardshell-Bauweise

Im Gegensatz zur Inmould-Technologie verteilt die Hardshell-Technologie den Aufprall wegen der harten Außenschale über den gesamten Helm. Zwar können auch hier Verformungen auftreten, dies kann jedoch von einem Fachhändler festgestellt werden. Nach einem Sturz mit einem Hardshell-Helm lohnt sich also zunächst der Besuch eines Expertens anstatt gleich ein neuer Helm.

Grundsätzlich sollte jeder Helm – auch ohne Sturz – nach drei bis maximal fünf Jahren ausgetauscht werden.


Worauf achten beim Kauf eines Visierhelms?


Visierhelme sind seit etwa zwei Jahren wieder im Kommen, nachdem große Hersteller wie UVEX viel in die Produktentwicklung investiert und einige neue Modelle auf den Markt gebracht haben. Ein Visierhelm ist, wie der Name schon sagt, ein Skihelm mit eingebautem Visier, das die Skibrille ersetzt. Vorteile: Einfach zu handhaben, keine zwei Ausrüstungsgegenstände mehr, sondern nur noch eines, gut für Brillenträger, großes Sichtfeld. Darauf sollte man auch achten, wenn man einen Visierhelm kauft, zudem macht es Sinn, die potenziellen Nachteile zu checken. Sitzt das Visier gut oder drückt es am Gesicht? Lässt es Wind durch? Ist der Helm nicht zu schwer? Gibt es ggf. ein Ersatzvisier für verschiedene Wettergegebenheiten? Beantwortet ihr alle diese Fragen in eurem Sinn, steht einem Visierhelm nichts entgegen - solange euch die Optik gefällt.

 

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