Osterreich

Rocky Reit im Winkl: Viel Winterspaß für wenig Flocken

29. Dezember 2013 | Norbert Eisele-Hein

Skigebiete in diesem Artikel: Winklmoosalm - Reit im Winkl, Fellhorn - Kanzelwand - Oberstdorf

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Copyright: Norbert Eisele-Hein

Wow, das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Ganz oben auf der 1869 Meter hohen Steinplatte offenbart sich ein überwältigendes 360° Grad-Panorama. Ehrfurchtsvoll pfeifen wir durch die Zähne. Dabei explodieren kleine Atemwölkchen wie Sternenstaub. Wuchtig wie die kanadischen Rocky Mountains wirken die zum Anfassen nahen, komplett überzuckerten Loferer Steinberge.

Über dem Morgendunst  

Direkt im Süden leuchten die Hohen Tauern. Besonders markant blitzt der Großvenediger mit seiner kühnen Schneide hervor. Davor bauen sich noch die Zillertaler Alpen auf. Linker Hand ragt das Kitzbühler Horn in den strahlend blauen Himmel. Weiter rechts ragt der stark gekerbte Wilde Kaiser wie ein sagenumwobener Monolith aus dem Morgendunst. Erst kurz vor der Winklmoosalm entschwebte die neue 8er-Gondel der zähen Packung Morgendunst. Und seither ist alles nur noch ein psychedelisches Winterwundermärchen. Die Inversionslage macht es möglich. Und die Entscheidung, gleich ganz hoch zu fahren, offenbart uns jetzt unverspurte Traumhänge in Richtung Wattepackung aus Wolken. Über die Südhangabfahrt Nr. 7 rocken wir Richtung Steilabstürze der Steinplatten-Südwand, im Sommer ein Dorado für Felskletterer und Klettersteig-Freaks. Wir schultern kurz die Ski, steigen mühsam ein paar Höhenmeter auf und landen am Vorgipfel. Hier wartet eine jungfräuliche Freerideabfahrt vom Feinsten. Der frische, über kniehohe Pulver lässt die Glückshormone jubilieren. Der Schneestaub wandert über die Funktionsklamotten hoch zum Gesicht. Die beißende Kälte an den Wangen wird ignoriert oder einfach als Luxusproblemchen verbucht. Erst unten am Kammerkör endet dieser weiße Rausch. Was für ein Auftakt.

Amtlich verbrieftes Schneeloch

Ein echtes Schneeloch, jawohl. Ein amtlich verbrieftes noch dazu. Das ist Reit im Winkl. Wie heißt es so schön im meteorologischen Fachjargon „das Phänomen der Kaltluftseen“ sorgt für vermehrten Schneefall. Und in der Tat. Der Maserer Pass bildet im Winter häufig die Grenze. Diesseits dominiert häufig noch Grün. Jenseits im Mikroklima von Bayrisch Sibirien müssen Wintersportler für die letzten 10 Kilometer Schneeketten aufziehen und es herrscht häufig Powder-Alarm. Seit Rosi Mittermaier 1976 bei der Olympiade in Innsbruck jede Menge Edelmetall abräumte, sind die Winklmoos-Alm und Reit im Winkl ohnehin ein stehender Begriff im Wintersport. Überhaupt scheint das beschauliche Dorf ein enorm guter Nährboden für sportliche Höchstleistungen zu sein. Evi Sachenbacher-Stehle holte beim Langlauf Teamsprint olympisches Gold in Vancouver. Und auch sie ist ein Kind Reit im Winkls.

Rings um den Ortskern schrauben sich die Gipfel über mehr als 1000 Höhenmeter hoch zum Fellhorn und zum Sonntagshorn, dem höchsten Berg der Chiemgauer Alpen. Das direkt zu Füßen liegende Skigebiet Steinplatte macht zusätzlich noch einen Abstecher in den Kaiserwinkl auf Tiroler Territorium. Die Talstation in Seegatterl bietet den perfekten Einstieg in die Skischaukel. Früher starteten hier noch die Busse über endlose Serpentinen hoch zur Winklmoos-Alm. Seit 2009 gibt es eine funkelnagelneue Gondelbahn. Sie lässt Skifahrer und Boarder, Langläufer und Wanderer majestätisch einschweben. Eine der Gondeln trägt ein komplett goldenes Gewand - zu Ehren der unglaublich erfolgreichen Gold-Rosi, versteht sich.

Gondelbahn Winklmoosalm  - © Norbert Eisele-Hein

Gondelbahn Winklmoosalm

Copyright: Norbert Eisele-Hein

Moderner Skispaß für alle Klassen

Die Pisten bieten ein vielfältiges Spektrum für alle Altersklassen, für Novizen und Profis. Rings um die Steinplatte dominieren sportliche Abfahrten, der Nordhang oder die Schwarze 8 ist bei Powder ein Projekt zum Zungeschnalzen, ansonsten gerne mal eine fordernde Buckelpiste für Fortgeschrittene. Die 6er und 8er-Sessellifte, wie der erst 2013 eingeweihte Scheibelberg-Lift  sorgen für minimale Wartezeiten selbst bei Hochbetrieb in den Ferien. Vom Kammerkör, einer Art geografischen Mittelstation, flachen die Pisten etwas ab. Auf etlichen blauen Abfahrten fühlen sich auch Anfänger zu Hause. 14 Liftanlagen bedienen insgesamt 44 Abfahrten. Spezialisten finden im neuen Funpark auf der Kammerköralm jede Menge Rails, Tonnen und Schanzen für Tricks und Stunts. Ein Top-Gebiet für alle Wintersportler. Und das Beste daran, es ist immer noch bezahlbar. Wie schon im Vorjahr zeichnete der ADAC auch 2013 das Gebiet Winklmoosalm-Steinplatte mit dem ersten Platz für das beste Preis-Leistungs-Verhältnis in Deutschland aus. Das hören vor allem Familien gerne, denn der Winterurlaub mit Kindern strapaziert den Geldbeutel sowieso enorm.

Touren für Freerider und Skitourengeher inklusive

Gratis gibt es die Abfahrt vom 1776 Meter hohen Dürrnbachhorn. Der nostalgische 1er-Sessellift läuft nur im Sommer, somit fordert der liebe Gott vor dem Lohn eine ordentliche Portion Mühsal. Oder besser gesagt Schweiß, denn der Aufstieg hat es zwar ordentlich in sich, bietet aber gleichzeitig bestes Bergekino. Frühmorgens starten wir also wieder auf der Winklmoosalm und ziehen die Felle auf. Schwer tragen die Nadelbäume an ihren monströsen Schneelasten. Das Spuren im Neuschnee kostet gewaltig Körner. Das gleichmäßige Skianheben, Gleiten und Schnee nach unten drücken wird zur Meditation. Der Aufstieg erfordert etliche Spitzkehren, führt oben nochmal durch ein märchenhaft verwunschenes Latschenfeld. Die komplett mit eisigem Anraum und Schnee verzierten Zweige gleichen wilden Tieren und Sagengestalten. Endlich am Gipfel öffnet sich zur Belohnung eine bayerische Gipfelparade. Weit reicht der Blick vom Sonntagshorn, dem höchsten Berg der Chiemgauer Alpen, bis zum Berchtesgadener Land. Dessen markante Felszacken, die Reiteralm, der Hochkalter und der Watzmann funkeln im Winter wie die frisch gebleachte Zahnreihe einer Hollywood-Schönheit über dem Dunst der Täler empor. Die Abfahrt liefert das Sahnehäubchen: satte 600 Meter makelloser Powder. Mit brennenden Schenkeln fallen wir in der Traunsteiner Hütte ein. Dort zaubert uns die Hüttenwirtin Jeanette Lorenz einen wohlduftenden Kaiserschmarrn, der ebenso fluffig auf der Zunge zergeht. Somit steht fest: Skigebiet nebst Tourenoptionen und natürlich der göttliche Kaiserschmarrn bekommen auch von uns die Goldmedaille.

Info:

Liftkasse Winklmoos-Alm/Steinplatte

Seegatterl 4

83242 Reit im Winkl

Telefon: +49 8640 7969180

Telefon: +49 8640 80020

Telefax: +49 8640 79691850

E-Mail: winklmoosalmbahn@t-online.de

Internet: http://www.winklmoosalm.de

Tourist-Info Reit im Winkl
Dorfstraße 38
83242 Reit im Winkl
Tel. 08640-80027
www.reitimwinkl.de

Anfahrt

A 8 München-Salzburg, Ausfahrt Nr. 106 Bernau und weiter auf B 305 nach Reit im Winkl. Aus Richtung Salzburg bis Ausfahrt Nr. 112 Siegsdorf und über Ruhpolding nach Reit im Winkl.

Bahn: bis Prien am Chiemsee und weiter mit den Bussen des RVO, Linie 9505 nach Reit im Winkl, www.rvo-bus.de, das Reisebüro Haberhauer bietet individuellen Bustransfer, info@haberhauer-touristik.de, Tel. 08640-7979888

Unterkunft

Unterwirt, (4Sterne mit top Wellness-Bereich), Kirchplatz 2, 08640-8010, www.unterwirt.de

Sonnhof’s Residenz, mit reichhaltigem Frühstück, Gartenstr. 3, 08640-98800, www.sonnhof.de

Gästehaus Klara, tolles Frühstück, Seerosenweg 7, 08640-8644, www.gaestehaus-klara.de

Essen im Dorf

Pizza Pasta da Angelo, Rathausplatz 8, 83242 Reit im Winkl, Tel. 08640-796763, große Steinofenpizzas, pikante Pasta und riesige Eisbecher.

Dorfratsch, Gartenstr. 1, 83242 Reit im Winkl, Tel. 08640-5340,  rustikal, asiatische und bayrische Küche, Kellerbier.

Milchbar, 83242 Reit im Winkl, Rathausplatz, Tel. 08640- 8325, www.milchbar-riw.de, Essen und Drinks bis spät in die Nacht.

Tipp: Die Gästekarte eröffnet ein außergewöhnlich umfangreiches Gratisangebot an geführten Winterwanderungen, Kids-Programmen, Schwimmbad-Eintritt …

 

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