Es ist wieder soweit: Wir von Skiinfo wagen einen Blick in die Kristallkugel und sagen euch, wie der Winter 2019/2020 denn nun wird. Eisig kalt? Schneereich wie im letzten Winter? Oder doch wieder ein trockener Dezember, in dem man vergeblich auf Schneefall wartet?

 

Der Winter wird ... so wie er wird. Ernsthaft, wer sich wie so viele "Wetterexperten" schon Monate zuvor an eine Prognose für den kommenden Winter wagt, der ist mutig. Und liegt mindestens genauso oft falsch wie richtig. Der „Dürre-Sommer“ 2018, der als einer der trockensten der Aufzeichnungsgeschichte in die Geschichstsbücher einging, wurde schließlich auch nur von wenigen Meteorologen in diesem Ausmaß vorhergesagt. Oder der unfassbar schneereiche Januar 2019, als in den Nordalpen vier, fünf oder gar sechs Meter Schnee in zwei Wochen fielen? Wurde er vorhergesagt? Nein, zumindest nicht in dem Ausmaß. Auch die anhaltende Trockenheit in Deutschland über den Sommer 2019 wurde nicht vorhergesehen.

 

Denn das Wetter ist ein Chaoszustand, dessen Entwicklung niemand mit Sicherheit länger als ein paar Tage, maximal eine oder auch mal zwei Wochen vorhersagen kann. Schneefallmengen zu prognostizieren, noch dazu für eine bestimmte Region, ist daher kaum möglich. Von einem Tag zum anderen ändern sich die Daten regelmäßig, das merken auch wir in unseren regelmäßigen Schnee- und Wettervorhersageanalysen im Winter. Wie soll man da verlässliche Aussagen über ein Winterwetter treffen können, das mehrere Monate in der Zukunft liegt?

 

Allerdings: Einige Mutmaßungen über die klimatischen Verhältnisse zum Winterbeginn sind in diesem Jahr schon mehr als Wahrsagerei. Doch schauen wir einmal, was die selbsternannten Wetterfrösche und Vorhersageexperten in ihren meteorologischen Beiträgen von sich gegeben haben – und wie sie den Winter 2019/2020 einschätzen.

 

Wetter.net

 

Den Anfang machen wir in diesem Jahr mit Herr Dominik Jung von wetter.net. Der Diplom-Meteorologe stützt seine Aussagen zum Winter 2019/2020, wie die meisten seiner Kollegen, auf das langfristige NOAA-Wettermodell des amerikanischen Wetterdienstes. Der geht von einem sehr warmen und sehr feuchten Winter aus – mehr dazu erklärt euch Herr Jung im Video:

 

DWD – Deutscher Wetterdienst

 

Auch der Deutsche Wetterdienst geht in seiner Jahreszeitenvorhersage von einem warmen Start in den Winter aus. Demnach wird die Durchschnittstemperatur in 2m Höhe im November, Dezember und Januar im Alpenraum aber „nur“ 0,2-1 Grad über dem Klimamittelwert (1990-2017) liegen. In der Schweiz und in Süddeutschland wird es demnach weniger warm (+0,2-0,5 C° über Mittelwert) als in weiten Teilen Österreichs (+0,5-1 C°).

 

In Bezug auf den Niederschlag geht das Modell des DWD davon aus, dass sich die Monate November-Januar im langjährigen Mittel bewegen.

 

 DWD Jahreszeitenvorhersage

 

 

Wird Britannien vom "Beast from the east" in die Zange genommen?

 

Ein kurzer Exkurs nach Großbritannien: Da schreibt doch tatsächlich die ehrenwerte (Achtung Ironie!) "Sun", dass dem Land einer der kältesten Winter seit 30 Jahre bevorsteht. Meteorologen am University College London hätten vorhergesagt, dass das "Beast from the East" zurückkehren würde - damit ist ein starker Jetstream aus dem Osten gemeint, der über mehrere Wochen im Januar das Land in einen Eisschrank mit zweistelligen Minusgeraden verwandeln wird. "This would rank the 2020 January-February central England temperature as the coldest winter since 2013. It would also rank January-February 2020 as the seventh coldest winter in the past 30 years." Gewagte Prognose!

 

Wetter.de: Trocken und kalt?

 

Auf dem Wetterchannel Wetter.de trifft man eine etwas andere Vorhersage bezüglich der winterlichen Großwetterlage in Zentraleuropa. "Nach der Abschätzung aller Parameter deutet sich ein schwacher Polarwirbel an, wodurch Hochdruckgebiete das Zepter in der Hand haben. Damit gäbe es längere kalte Phasen, die ziemlich trocken sind." Das hört sich ganz anders an als bei den meisten anderen Meteorologen, die den Winter als zu mild und zu nass einschätzen. Allerdings basieren diese fast alle auf dem gleichen Modell, somit ist nicht verwunderlich, dass die Aussagen sich ähneln.

 

daswetter.com: Viele Weststaulagen in den Alpen?

 

Die Meteorologen von daswetter.com stützen ihren Ausblick ebenfalls auf NOAA-Modell und sagen für Deutschland in Bezug auf die Temperaturen eine positive Abweichung von bis zu 4 Grad (!) im Vergleich mit dem langjährigen Mittel voraus. Das könnte heißen, dass es vielleicht sogar der mildeste Winter aller Zeiten werden könnte, sogar milder als der Winter 2006/2007, der aktuell als Rekordwinter gilt. Johannes Habermehl schreibt in seinem Bericht, dass es zudem deutlich nasser werden soll als normalerweise - und das in Verbindung mit den milden Temperaturen könnte zu einer Hochwasserproblematik führen. Allerdings: Ein zu nasser Winter könnte auf viele Westwetterlagen hinweisen, die im Alpenraum wiederum zu vielen Süd- und Weststaulagen führen. Heißt: Massig Schnee in französischen und italienischen Skigebieten, weniger in den Nordalpen. Zur Erinnerung: Im Winter 2018/2019 gab es vor allem im Januar lang anhaltende Nordstaulagen, so dass die Skigebiete nördlich des Alpenhauptkamms im Schnee erstickten - der Winter in Frankreich und Italien war hingegen weniger schneereich als normalerweise.

 

 

Abschließend zitieren wir hier gerne noch Herrn Ruhnau vom Wetterkanal Kachelmannwetter, der die Qualität und Sinnhaftigkeit von Winterprognosen besser in Frage stellt, als wir es hier gekonnt hätten: "Es kann kein Mensch und kein Computer das Wetter Monate im Voraus berechnen und erst recht nicht im September den Verlauf des Winters. Merken Sie es sich: Es weiß niemand, wie der Winter wird."

 

Da hilft also nur noch: Hoffen und Frau Holle in die abendliche Gebete einschließen! ;)

 

Grafiken: Vorhersagen der Temperatur-Abweichungen vom langjährigen Mittel (2m-Temperatur, CFS-Modell)

Dezember

 DWD Jahreszeitenvorhersage

Januar

 DWD Jahreszeitenvorhersage

Februar

 DWD Jahreszeitenvorhersage

Quelle: http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/CFSv2/CFSv2seasonal.shtml

 

 

Linktipps:

Im Winter jede Woche aktuell: Der Skiinfo-Schneebericht mit Infos zu aktuellen Schneefällen und Schneevorhersagen

 

Meteoschweiz: Temperatur-Prognosen Schweiz

 

Alle Skigebiete mit exakter Schneevorhersage (für die kommenden drei Tage) findet ihr hier: Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien

 

Alle aktuellen Schneehöhen und Schneebericht findet ihr hier: Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien

 

Alle Schneefälle der letzten 72 Stunden findet ihr hier.

 

El Nino und La Nina - erklärt bei kachelmannwetter: http://wetterkanal.kachelmannwetter.com/was-ist-el-nino-was-ist-la-nina/