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Legendäres Zermatt: Ein Besuch am Matterhorn

12. März 2019 | Skiinfo

Skigebiete in diesem Artikel: Zermatt

Legendäres Zermatt: Ein Besuch am Matterhorn- ©Skiinfo | Sebastian Lindemeyer
Copyright: Skiinfo | Sebastian Lindemeyer

Zermatt - ein Mythos. Wer hier Urlaub macht, der muss es sich leisten können und wollen. Die Anreise ist lang, die Hotels teuer, die Gastronomie auf dem Berg und im Tal zwar fantastisch, aber ebenso kostspielig. Und dennoch, wer einmal am Fuße des legendären Matterhorns eines der modernsten Skigebiete der Welt befahren durfte, für den rücken alle anderen Winterurlaubsorte einen Rang nach hinten auf der Favoritenliste. Wir haben uns im März 2019 ein Bild gemacht und werfen einen Blick auf den mondänen Skiort, sein Skigebiet und das Leben am Fuße des Matterhorns. Was ist das Besondere an Zermatt?

 

Tradition meets Moderne

 

Klar, wer über Zermatt schreibt, der kommt um seine Geschichte nicht herum. Am Ende des Mattertals auf der Nordseite des Matterhorns gelegen, gilt Zermatt als einer der bekanntesten Urlaubsorte der Schweiz. Schon im Jahr 1855, zehn Jahre vor der Erstbesteigung des Matterhorns durch den Briten Edward Whymper, eröffnete das Hotel Monte Rosa als erstes Hotel am Platz und läutete damit die Epoche des Tourismus in Zermatt ein. Whymper startete von hier seine Besteigung und machte das Hotel weltbekannt. Heute ist das Monte Rosa nicht nur ein geschichtsträchtiges Vier-Sterne-Hotel, zentral auf der Bahnhofsstrasse gelegen, sondern zeigt zugleich zahlreiche Ausstellungsstücke der Pionierzeit des Bergsteigens.

Zermatt

 

Auch überall sonst in Zermatt und im Skigebiet trifft man Altes und Neues. Natürlich hat sich der Ort in den letzten 50 Jahren stets verändert und modernisiert, klassische Bausünden und Bettenburgen wurden aber zum Glück vermieden. Auch der alte Ortskern mit seinen Holzhütten wurde erhalten, eine Besichtigung lohnt sich! Die Bahnhofsstrasse, Flaniermeile und Shoppingzentrum, muss man natürlich mindestens einmal vom Bahnhof bis zur Kirche begangen sein. Ihr müsst ja nicht unbedingt eine Uhr für 84.000 Franken erwerben, wie sie in manch einem Juweliergeschäft angeboten wird (ja, wir haben das „Angebot“ gesehen).

Bilder & Videos

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Besonders interessant zu beobachten sind die Entwicklungen der Infrastruktur des Skigebietes – hier ist von Tradition kaum mehr etwas zu bemerken. Und das ist auch gut so. Jahr für Jahr werden von den Zermatt Bergbahnen AG, dem größten Seilbahnunternehmen der Schweiz, neue Lifte gebaut und alte ersetzt. Schlepplifte gibt es so gut wie keine mehr, lediglich am Plateau Rosa sind noch ein paar alte Relikte vorhanden, die aber aufgrund der Windanfälligkeit des Plateaus und des Gletscheruntergrunds so schnell auch nicht ersetzt werden dürften.

 

Allein in den letzten 17 Jahren haben die Bergbahnen 476 Millionen Franken in die Modernisierung des Skigebietes investiert, mehr als die Hälfte flossen davon in neue Transportanlagen. So ist es heute möglich, von Winkelmatten über Furi, Schwarzsee bis zum Trockenen Steg in einer leistungsfähigen 8er-Gondelbahn zu gelangen – vor dem Bau stand man in Winkelmatten oft eine halbe Stunde und länger an, um dann in Furi erneut lange auf einen Platz in der Großraumgondel zu warten. Eine Errungenschaft war auch die 8er-Gondel von Furi zum Riffelberg, die den Gornergrat mit dem Matterhorn glacier paradise verbunden hat. Nun kann man in kurzer Zeit zwischen Sunnega-Blauherd, Gornergrat und dem Gletscherskigebiet hin und her wechseln - das war früher undenkbar. Neben einigen neues Sesselbahnen (Hublot Express, Hirli, Gifthittli, Furgsattel, Sunnega-Blauherd Kombibahn), die in den letzten anderthalb Jahrzehnten entstanden, ist das absolute Highlight natürlich der nigelnagelneue Matterhorn glacier ride.

Zermatt

 

Matterhorn glacier ride – die höchste 3S Bahn der Welt

 

Seit September 2018 ist sie im Dienst, die spektakuläre 3S Bahn zur höchsten Bergstation Europas. Sie ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Allein die Höhenlage der Bergstation von 3821 m.ü.M. ist beeindruckend und lässt einen beim Gang durch den Tunnel Richtung Skipiste ziemlich durchschnaufen. Ebenso imposant ist die Talstation am Trockenen Steg, die mit viel Holz verkleidet ist und einen warmen, einladenden Eindruck macht. 3940 Meter ist der Matterhorn glacier ride lang, bietet 25 Gondeln mit je 28 Sitzplätzen (ein paar Personen könnten wohl auch noch stehenderweise in der Gondel Platz finden, aber dies wird anscheinend nicht gewünscht), befördert 2000 Personen/Stunde auf den Gipfel (die alte Gondel schaffte nur 600 Personen/Stunde) und bietet unvergleichliche Ausblicke auf die großen Gletscherfelder unterhalb von Klein Matterhorn und Breithorn. Einzigartig! Mit einem Schmunzeln mussten wir zwar zur Kenntnis nehmen, dass bei unserer Gondel nach der Einfahrt in die Bergstation zunächst die Tür nicht automatisch aufging – aber wenn das die einzigen technischen Probleme bei diesem Meisterwerk der Baukunst sind, dann kann man den Zermatter Bergbahnen und der Baufirma Leitner nur einen Glückwunsch aussprechen. Übrigens: Für 10 CHF extra kann man die Fahrt in einer Gondel mit Glasboden antreten. Muss man allerdings nicht unbedingt haben, die Aussichten sind auch aus den großflächigen Seitenscheiben fantastisch. Mehr Infos zur 3S-Bahn: www.zermatt.ch/

 

Zermatt

 


Die schönsten Abfahrten und Pisten in Zermatt

 

Über die schönsten Abfahrten von Zermatt kann man natürlich vortrefflich streiten, aber nach einer Woche im März 2019 im Skigebiet haben wir uns ein paar herausgepickt, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

 

Zermatt

Am Gornergrat führen mehrere Pisten nach Riffelberg, hier empfiehlt sich die ganz linke Piste entlang der Gornergratbahn zu wählen – sie ist wenig befahren und ruhig. Vom Gornergrat führt die Kelle in Richtung Gant-Sunnegga-Blauherd, eine schöne, lange Piste vorbei am Grünsee-Restaurant. Wer möchte, biegt nach dem Restaurant links ab auf die schwarze Piste nach Findeln, wo ihr übrigens das kulinarische Zentrum des Skigebietes findet (mit den sehr bekannten und beliebten Restaurants Chez Vrony, Findlerhof, Adlerhitta und Enzian).

Zermatt

 

Im Skigebietsteil Sunnegga-Blauherd-Rothorn gefällt die schwarze „National“ zum Patrullarve-Lift, Anfänger finden im Wolli-Park und in der blauen „Slow-Slope“ vom Blauherd nach Sunnegga tolle Übungsmöglichkeiten. Nach der Fahrt zum Rothorn sollte man sich die Abfahrt „Kumme“ nicht entgehen lassen, sie bietet tolle Ausblicke auf das Matterhorn und ist sehr lang. Übrigens: Der einzige Sessellift am Rothorn wurde Anfang 2018 von einer Lawine zerstört, der Lift soll aber zeitnah, vermutlich noch vor der nächsten Skisaison, neu gebaut werden.

Die Piste Fluhalp vom Rothorn nach Gant ist auch schön und bietet wunderbare Blicke auf Dufourspitze, Liskamm und weitere 4000er. Auf der anderen Seite von Gant führt eine große, moderne Gondelbahn zum Hohtäli. Leider existiert die Achse Gornergrat-Hohtäli-Rote Nase-Stockhorn nicht mehr, auf das anspruchsvolle Stockhorn führt aktuell gar kein Lift mehr. Früher gab es hier tolle steile und Buckelpisten, heute führen von Hohtäli noch zwei Pisten und zwei (ebenfalls sehr buckelige und anspruchsvolle) Skirouten hinab. Als ein mittelfristiges Projekt plant man von Seiten der Bergbahnen die „Optimierung der Erschliessung des Freeride-Gebietes Rote Nase/Stockhorn“ – man darf also gespannt sein, wie dieses fantastische Gebiet sich entwickeln wird.

Zermatt

Wechseln wir in das Gletscherskigebiet, das man von Zermatt in knapp 25min Fahrtzeit mit der 8er-Gondelbahn erreicht. Zwischenstopps macht diese in Furi, Aroleid, Schwarzsee und Furgg, bevor man schließlich den Trockenen Steg erreicht und hier in den Furgsattel Sessellift oder die 3S-Bahn auf das Klein Matterhorn wechselt. Man muss also, wenn man hier hinauf möchte, etwas Zeit mitbringen. Skibus in Zermatt nach Winkelmatten (kommt alle 8-10 Minuten, zu den Stoßzeiten kann es aber auch mal vorkommen, dass man in einen Bus nicht reinkommt), kurze Wartezeit an der Gondel, lange Fahrtzeit zum Trockenen Steg, weiter mit Sessel oder Gondel – vom Verlassen der Haustür bis zum ersten Schwung vergeht mindestens eine Stunde. Und: Die Gondelbahnen in solchen Höhen sind oft starken Winden ausgesetzt. Herrscht kein Blue Bird Wetter, kann es vorkommen, dass die Gondeln nur bis Furi fahren (bei uns 2x in sechs Tagen vorgekommen) und man dann in die Großraumgondel wechseln muss, was nochmal länger dauert. Oder das Skigebiet bleibt ganz geschlossen, auch das ist natürlich möglich. Dennoch ist dieser Teil des Skigebietes natürlich das Aushängeschild von Zermatt, schon allein wegen der Höhenlage, des Gletschers und der Nähe zum „schönsten Berg der Welt“, als den viele Zermatt-Besucher das Matterhorn vermutlich empfinden.

 

Die Pisten am Klein Matterhorn und am Furgsattel sind allerdings wenig spektakulär – für Anfänger tolle, weitläufige und lange Übungshänge, mehr aber auch nicht. Im wahrsten Sinne des Wortes hervorragend in Shape ist der Snowpark, der top gepflegt erscheint und zahlreiche Obstacles und einige große Kicker bietet. Wer noch nicht ganz so sicher unterwegs ist, übt in der Wellenbahn oder dem Steilkurvenparcour. Deutlich interessanter als ganz oben im Matterhorn glacier paradise sind die Pisten vom Schwarzsee: Stafelalp, Weisse Perle, Hirli Lift – echte „Geheimtipps“, denn hier ist meist wenig los, die Pisten abwechslungsreich und das Matterhorn in greifbarer Nähe. Wer richtig dicke Oberschenkel hat, kann in Zermatt übrigens eine der längsten Skipisten überhaupt in Angriff nehmen: Vom Klein Matterhorn kann man ohne Pause über 2200 Höhenmeter hinab bis nach Zermatt fahren. Wer schnell ist, schafft es 15 Minuten, wer gemütlich fährt, ist gut und gerne eine halbe Stunde unterwegs – ohne Pausen versteht sich!

 

Zermatt

Wenn ihr euch den Luxus gönnt und den Skipass International wählt (etwa 10-20% teurer als der Skipass Zermatt), könnt ihr von Testa Grigia aus übrigens auf die italienische Seite des zusammenhängenden Skigebietes Zermatt-Breuil/Cervinia-Valtournenche wechseln. Die südlich ausgerichteten Hänge sind toll zu fahren, wenn es nicht zu warm ist. Denn dann wird es schnell sulzig, da hier die Sonne mit voller Wucht scheint. Breuil-Cervinia und Valtournenche haben einige tolle Restaurants zu bieten, die italienisches Lebensgefühl vermitteln. Ein Glas Vino mit Pasta und dann wieder ab auf die Bretter, was will man mehr? Ein Tipp: Macht euch früh genug wieder auf den Rückweg auf die Zermatter Seite, denn wer die letzte Gondel verpasst, der steht blöd da und muss eine Nacht in Italien verbringen – mit dem Auto oder Bus zurück nach Zermatt zu fahren, ist bei 300km Strecke nämlich keine Option!

 

What else?


Zermatt zählt nicht gerade als Après-Ski-Hot-Spot, man lässt es sich eher an der Hotelbar oder im Pool bei einem Glas Champagner gut gehen. Wer auf etwas mehr Party steht, der kann sich auf der Talabfahrt von Furi kurz vor Zermatt im Hennustall austoben. Im Dorf geht es in Harry´s Ski Bar direkt an der Steg-Brücke zur Sache, auch den Papperla-Pub sollte man auf jeden Fall mal besucht haben. In der Hexenbar in der Bahnhofsstrasse geht es jeden Tag von 16:00 bis 02:00 Uhr rund!

Zermatt

In Zermatt gibt es drei Wege auf den Berg: Sunnegga-Bahn, die Gondelbahn von Winkelmatten (Matterhorn-Express) oder die Gornergratbahn. Mit Abstand die schönste Fahrt ist die mit der Gornergrat-Bahn, sie sollte man sich nicht entgehen lassen. Bei schönem Wetter erwarten euch unglaublich schöne Ausblicke auf das Matterhorn und das Mattertal. Tipp: Setzt euch in Fahrtrichtung auf die rechte Seite, da sieht man deutlich besser!

Zermatt

Anreise: Sie kann beschwerlich und vor allem teuer sein, denn von Norden (Basel-Bern) muss man mit dem Autozug durch den Lötschberg (Kosten: 29,50 CHF eine Fahrt!) und danach noch eine ordentliche Strecke durch das Rhone- und Mattertal. Angekommen in Täsch parkt man sein Auto (für 15.50 CHF / Tag) im großen Parkhaus-Terminal, zahlt pro Person nochmal 9 CHF für die Zugfahrt in das autofreie Zermatt und vor Ort nochmal für ein Elektrotaxi zum Hotel/zur Ferienwohnung (wenn man sein Gepäck nicht durch den Ort tragen/ziehen möchte). Das läppert sich! Einfacher und bei früher Buchung wahrscheinlich auch günstiger ist die Anreise direkt per Zug, denn man spart sich Tunnel- und Parkkosten sowie die Extrakosten für den Pendelzug Täsch-Zermatt.

 

Was muss man noch gesehen haben? Ein Foto am Murmeltierbrunnen am Kirchplatz ist ebenso ein Muss wie ein Spaziergang an der Mattervispa – lauscht den Klängen des Gletscherwassers, es entspannt ungemein. Schöne Cafés sind unter anderem das Café Fuchs und natürlich die Bäckerei Biner, beide gibt es an mehreren Standorten in Zermatt. Die kugelrunden Weggli (Brötchen) zum Frühstück haben sich seit 30 Jahren nicht verändert – luftig, lecker!

 

Auf keinen Fall verpassen solltet ihr einen klassischen Raclette- oder Käsefondue-Abend (z.B. in der Schäferstube, der Whymperstube, im Restaurant Spycher, im Ferdinand oder im Stadel). Was tun bei Schlechtwetter? Zahlreiche Hotels bieten auch Nicht-Gästen den Wellness-Bereich zum Entspannen an. Ansonsten bleibt nicht viel außer Shoppen, einem Dorfrundgang, einem Besuch im Matterhorn-Museum, dem Escape Room Zermatt, der Tennis- oder Kletterhalle. Aber das reicht ja eigentlich auch, denn die meiste Zeit des Winters scheint in Zermatt zum Glück die Sonne!

Zermatt

 

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Mehr Infos zu Zermatt und dem Skigebiet findet ihr hier.

 

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