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Die längsten Ski-Abfahrten der Welt: Vallée Blanche, Montblanc-Massiv, Frankreich

27. Dezember 2018 | Christoph Schrahe

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Wir sind im April nach Chamonix gekommen, wollen die längste durch eine Seilbahn erschlossene Skitour der Welt in Angriff nehmen: Die Gletscherabfahrt von der Aiguille du Midi durch das Vallée Blanche und über das Mer du Glace nach Chamonix. Über Nacht hat es geschneit. Morgens fallen immer noch dicke Flocken vom Himmel. Die Abfahrt erscheint undurchführbar, doch wir beschließen, abzuwarten. Gegen zehn Uhr reißt die Wolkendecke auf. Kurz nach elf Uhr sind wir an der Talstation der Seilbahn. An normalen Tagen wartet man hier stundenlang, es sei denn, man hat vorbestellt. Wir können durchgehen und sind nach nur 20 Minuten Auffahrt auf der Aiguille du Midi. Der Höhenmesser zeigt 3790 Meter, das Thermometer -19° Celsius. Ein Aufzug hebt uns bis auf den 3842 Meter hohen Gipfel. Die Sonne lacht, kein Lüftchen regt sich und greifbar nahe reckt der Montblanc sein weißes Haupt in den blauen Frühlingshimmel – eine nicht nur wegen der dünnen Luft atemberaubende Szenerie. Beim Blick über das Vallée Blanche, dem oberen Abschnitt der Abfahrt, erspähen wir eine Gruppe von Skifahrern die mühsam über den frisch verschneiten Gletscher spurt. Für uns das Signal zum Aufbruch.

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Das größte Hindernis wartet gleich zu Beginn. Der Abstieg über den schmalen Grat zum Startpunkt der Abfahrt (3720 m). Ein Gefühl wie auf der Abschussrampe in die Ewigkeit, nur nicht in den bodenlosen Abgrund zur linken schauen. Doch es folgt der pure Genuss. In der frischgelegten Spur sausen wir ohne Probleme hinüber zum Glacier du Géant, der uns mit wundervollen Pulverhängen empfängt. Bald kurven wir problemlos durch das blaugrün schimmernde Spaltenlabyrinth der Séracs du Géant. In Gletscherbruch bewegt sich das Eis mit zwei Metern pro Tag vorwärts. Wer hier stürzt, wird schnell verschluckt. Am Fuß der Séracs ist bei 2400 Meter die flache Zunge des Mer du Glace erreicht. Ein grandioser Rastplatz. Salle à manger (Speisezimmer) wird diese Stelle genannt. Auch wir legen hier eine Pause ein. Unter uns liegen 400 Meter Eis und um uns herum streben kühne Granitzinnen gleich den Türmen gotischer Kathedralen auf. Die andächtige Ruhe stört nur das Pfeifen der Bergdohlen, die gierig auf die Krümmel unserer Brotzeit warten.

Auf den folgenden Kilometern geht es flach dahin, hier und da mitten hinein in das Spaltengewirr. Auf etwa 1600 Meter verlassen wir den Gletscher. Ein kurzer Anstieg (der wegen des schmelzenden Gletschers immer länger wird), dann folgt der Skiweg durch den Wald hinab nach Chamonix. Dank des Neuschnees ist er noch komplett befahrbar. Als wir auf den Skiwiesen von Les Planards unsere Bindungen öffnen, liegen 19,1 Kilometer, 2690 Höhenmeter, 3,5 Stunden Abfahrt und ein unvergleichliches Erlebnis hinter uns.

Skigebiet: 1030-3790 m, 6 Lifte, ca. 30 km hochalpine Tourenabfahrten (auch nach Courmayeur)

Unterkunft: Das Vier-Sterne Hotel L’Heliopic direkt neben der Talstation, die Übernachtung kostet 90 Euro pro Person, weitere Infos unter www.heliopic-hotel-spa.com.

Restaurant-Tipp: Das Monchu serviert sayvoyardische Spezialitäten, Ru du Lyret 1 (600 m von der Talstation), Tel. +33(0)4-50530480

Guides: Man sollte die Tour nur mit Führer unternehmen (ab 80 Euro), auch wenn die Strecke an schönen Tagen stark frequentiert und fast pistenmäßig ausgefahren ist. Infos unter www.chamonix-guides.com

Verleih: Intersport Rent an der Ecke Rue du Lyret und Place de L’Aiguille du Midi, nur ein paar Schritte von der Seilbahn.

Info: www.compagniedumontblanc.fr

 

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