Dr. Reinhard Schneiderhan ist Orthopäde in München und Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga. Zusammen mit dem Physiotherapeuten Markus Gunsch hat er ein Skigymnastik-Workout zusammengestellt, dass Skifahrer fit macht für den Winterurlaub. Wir haben mit dem Experten über seinen Trainingsplan gesprochen.

Frage: Herr Dr. Schneiderhan, Sie sind Orthopäde in München - wie groß ist der Anteil an Skifahrern oder Skifahrerinnen bei Ihren Patienten im Winter?
Dr. Schneiderhan: In der Regel behandeln wir wenig Patienten mit akuten Verletzungen, da die Versorgung oft bereits im ortsansässigen Krankenhaus abläuft. Unsere Praxisklinik suchen eher Personen auf, die eine längerfristige Behandlung benötigen. Wenn sich ein Skifahrer beispielsweise einen Bandscheibenvorfall zugezogen hat, kommt er zu uns, damit wir ihn beraten. Falls konservative Therapien nicht helfen, befreien wir ihn durch einen minimalinvasiven Eingriff von seinen Problemen, damit er bald wieder auf den Brettern stehen kann.

Frage: Welche Verletzungen fangen sich untrainierte Skifahrer am häufigsten ein?
Dr. Schneiderhan: Oft treten Knie- oder Rückenverletzungen auf, da große Kräfte auf diese Partien wirken. Durch unebene Pisten entstehen Stöße, die zulasten der Bandscheiben gehen. Häufig folgen daraus Stauchungen, im schlimmsten Fall kommt es sogar zu Bandscheibenvorfällen. Durch gute Vorbereitung und Aufwärmen vor den Fahrten können Sportler diesen Verletzungen meist vorbeugen.

Frage: Sie empfehlen - zusammen mit dem Physiotherapeuten Markus Gunsch - acht Übungen, um die Fitness zu steigern. Wie kam es zu dieser Auswahl?
Dr. Schneiderhan: Zur Vorbereitung auf den Skiurlaub empfiehlt es sich, eine Kombination aus Kräftigungs-, Beweglichkeits- und Gleichgewichtsübungen zu wählen. Daher haben wir auf eine ausgewogene Mischung geachtet. Die zusammengestellten Übungen trainieren alle Bereiche, die Skifahren besonders belastet. Hierzu zählen Rücken, Beine, Knie, Schultern und Bauch.

Frage:Gibt es Zielgruppen, denen Sie von diesem Programm abraten würden?
Dr. Schneiderhan: Generell eignen sich die Übungen für jeden. Allerdings sollten Trainierende stets auf die richtige Ausführung und das eigene Fitnesslevel achten. Die Rückenhaltung spielt hier eine große Rolle. Bei Katzenbuckel oder Hohlkreuz können Schmerzen entstehen. Außerdem gilt immer: Sobald Beschwerden auftreten, sollten Sportler die Übung abbrechen.

Frage: Der Fitness-Grad ist bei jedem Skifahrer vor der Saison ganz unterschiedlich. Woran merke ich bei diesem Workout, dass ich bereit bin für den Skiurlaub?
Dr. Schneiderhan: Wenn Sie nach Bewegungsübungen nicht außer Atem sind und die statischen Übungen problemlos über die angegebene Zeit halten können, sollte Ihr Körper gut auf den Skiurlaub vorbereitet sein. Natürlich lässt sich die Trainingsintensität durch längeres Halten oder häufigere Wiederholungen steigern. Untrainierte Skifahrer sollten aber nicht zu viel wollen und sich lieber langsam herantasten. Denn auch hier besteht die Gefahr, den Körper übermäßig zu belasten.

Frage: Skigymnastik - das klingt heutzutage fast ein bisschen altbacken. Dabei ist die Verbindung von Kraft-, Beweglichkeits- und Koordinationsübungen eigentlich immer noch sehr modern. Was ist speziell für Skifahrer besonders wichtig?
Dr. Schneiderhan: Neben einer trainierten Bein- und Rumpfmuskulatur stellt ein gut ausgeprägter Gleichgewichtssinn eine wichtige Grundlage dar. Die Bedeutung von Kraftübungen sollten Sportler nicht unterschätzen, da Muskeln den Körper beim Skifahren stabilisieren. Für eine dynamische Abfahrt empfiehlt es sich außerdem, die Beweglichkeit und Koordination zu trainieren. Insgesamt lässt sich sagen, dass Skifahren Körper und Geist voll beansprucht. Sportler sollten daher großen Wert auf gute Vorbereitung legen.

Frage: Danke für die Informationen, Dr. Schneiderhan!